Abenteuer Pangaea
Das Flugzeug setzt uns weit entfernt von jeglicher Zivilisation auf dem Eis ab. Die Sichtweite beträgt 50 Meter. Es sind 25 Grad unter Null. Dröhnend hebt das Flugzeug wieder ab und saust über unsere Köpfe hinweg, als wolle es keinen Moment zu lang hier draußen riskieren. Allerspätestens jetzt wird allen richtig bewusst, worauf man sich eingelassen hat.
Im Mai war ich Teil der Pangaea Young Explorers Expedition zur Kanadischen Arktis. Mit zwölf Personen standen wir auf dem letzten Stück Land Kanadas, um auf den gefrorenen Arktischen Ozean zu treten und rund 300 Kilometer bis zum magnetischen Nordpol auf Skiern zurückzulegen. Zwei Wochen lang zogen wir 50 Kilo schwere Schlitten hinter uns her, bis zu zwölf Stunden lang pro Tag. Dieses Abenteuer war die achte Etappe der von dem südafrikanischen Extremsportler und Abenteurer Mike Horn initiierten Pangaea-Weltexpedition, auf die er Jugendliche mitnimmt, welche dadurch für die Umweltprobleme der Welt sensibilisiert werden sollen und sich anschließend selbst als Botschafter einsetzen.
„Wenn ihr nach dieser Expedition noch alle eure Finger und Zehen haben wollt, befolgt genau, was ich euch sage!“, sagte uns Mike Horn schon vor dem Start der Expedition. Er hat jahrelange Erfahrung als Soloabenteurer und bereits den Äquator sowie den nördlichen Polarkreis ohne motorisierte Mittel umrundet und schwimmend den gesamten Amazonas durchquert. Er lehrte uns, den sieben Jugendlichen aus sechs verschiedenen Ländern, wie man in der Arktis überlebt. Es sind lauter Kleinigkeiten, die einen großen Unterschied machen können. Zum Beispiel soll man sich nicht abends die Zähne putzen und damit den ungestörten Schlaf opfern, da der Geruch von Pfefferminz einen unerwünschten Gast magisch anziehen soll: den Eisbären. Schwitzen ist fatal in der Kälte von 30 Grad unter Null, da sich sofort Eiskristalle an den Kleidungsstücken formen, welche die Körpertemperatur drastisch stürzen lassen. Täglich nahmen wir 6000 Kalorien zu uns, genug für kalte, lange, anstrengende Tage und den Schlaf, in dem allein etwa 2000 Kalorien verbrannt werden.
Der Weg zum Pol erwies sich als eine der größten Herausforderungen meines Lebens. Das Eis auf dem Arktischen Ozean ist an einigen Stellen zu dünn, um unser Körpergewicht zu tragen, und anderen Stellen aufgrund von Packeis zu hügelig, um gut voran zu kommen. Hinzu kamen noch riesige Blasen an meinen beiden Füßen, die sich schon am fünften Tag zu offenen Wunden entwickelten. Jeder einzelne Schritt wurde von immensen Schmerzen begleitet und nach jedem Schritt kostete es eine große mentale Überwindung, den nächsten zu machen. Doch es ist wahrlich erstaunlich, wie man sich einmal die Zähne zubeißen und somit Schmerzen überwinden kann, die normalerweise zum Aufgeben führen würden. Mit der Motivation, mit jedem Schritt näher zum Pol zu kommen, konnte ich immer wieder den nächsten Schritt ansetzen. Dass man sich mit starkem mentalen Durchsetzungsvermögen und nicht nachgebendem Ehrgeiz von nichts hindern lassen kann, ist eine der wertvollsten Erkenntnisse, um die ich bei dieser Expedition reicher geworden bin.
Zu dünnes Eis war schließlich der Grund, warum wir 60 Kilometer vor dem Pol die Expedition abbrechen mussten. Wir sahen das dunkelblaue Wasser direkt vor uns, bedeckt mit einer hauchdünnen Eisschicht. Weiterzugehen wäre zu riskant gewesen, denn ein Sturz in den eiskalten Ozean unter uns hätte wohl keiner überlebt. Das Umkehren ist eine sehr schwierige Entscheidung gewesen, doch nichts desto trotz haben wir 250 Kilometer zurückgelegt und als Polarexpedition den nördlichsten Punkt dieses Jahres erreicht.
Wir haben gemeinsam gekämpft und gemeinsam gelacht. Wir hatten lustige Zeiten aber auch harte Momente, an denen wir schwierige Entscheidungen treffen mussten. Als Team sind wir wie zur engen Familie zusammengewachsen und teilten gemeinsam diese spannendsten drei Wochen unseres Lebens. Von der Arktis mitgenommen haben wir nicht nur die Expeditionskenntnisse und Überlebenskünste, sondern vor allem die schönsten Erinnerungen und Freundschaften. Doch zurückgelassen haben wir nichts als Fußspuren, die mittlerweile schon vom Winde verweht worden sind.
Durch diese Expedition ist mir noch stärker bewusst geworden, wie heftig sich unser Verhalten in der Natur widerspiegelt, denn die Folgen unserer konsumorientierten Welt sind in den empfindlichen Polarregionen am deutlichsten erkennbar. Ich möchte nicht, dass die kommenden Generationen nicht mehr eine Expedition auf dem Arktischen Ozean wie eine solche durchführen können, daher sehe ich es als meine und unsere Aufgabe, den tiefen umweltlichen Fußabdruck, den die letzten Generationen auf der Erde hinterlassen haben, nun wiederzuzufüllen. Es ist höchste Zeit!
Auch abenteuerlich? Naturliebend und 15 bis 20 Jahre alt? Dann bewirb dich doch für die nächste Pangaea Young Explorers Expedition in die USA: www.mikehorn.com
- Anmelden oder Registrieren, um Kommentare zu schreiben.
Nutzer Kommentare
Noch keine Kommentare vorhanden.

























